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Einleitung
Während ich diesen Beitrag schreibe, bin ich krank. Ich huste, mir ist kalt, meine Energie läuft auf Sparflamme. Und ich hadere mit mir selbst. Ich bin gezwungen alle Termine und Kurse abzusagen. Wenn es mich all meine Kraft kostet, eine Spülmaschine auszuräumen, kann ich keine 60 Minuten Yoga unterrichten oder eine entspannende Massage geben. Ich kann nicht angemessen für meine Klient:innen da sein, wenn mein eigener Körper Ruhe einfordert. Und dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen. Zweifle ich daran, ob diese Pause wirklich nötig ist. Obwohl ich genau das jeder anderen Person raten würde.
Es ist, als wolle mein Körper mir die Möglichkeit schenken, das Thema dieses Beitrags – das ich bereits vor einigen Wochen festgelegt hatte – aktiv zu leben. Ohne Ausreden. Ohne Kompromisse. Loslassen. Loslassen, was mir nicht (mehr) dient.
Das neue Jahr hat begonnen und überrennt mich mit den guten Vorsätzen der Menschen, die mir in den sozialen Medien begegnen. Und wie jedes Jahr bin ich irritiert. Irritiert davon, dass mich diese Welle mitzureißen droht und ich gleichzeitig voll Unverständnis neben vor dem Fenster stehe. Ich blicke hinaus und sehe Schnee und Eis. Ich spüre Schwere und Langsamkeit in meinem Körper. Ich höre die Geräusche der Welt gedämpfter. Für mich ist jetzt die Zeit der Pause. Die Natur hat sich zurückgezogen und sammelt all ihre Kraft im Inneren. Sortiert im Stillen, ganz heimlich. Und manches wird nicht wieder zum Vorschein kommen, wenn der Frühling eintritt.
Anstatt gegen diese Ruhe um mich und mir anzukämpfen und neue Projekte zu starten, übe ich mich also im Stehen bleiben. Blicke zurück und sortiere mich. Und schaffe erst mal Platz und Raum. Damit dann irgendwann, wenn es sich gut anfühlt an dieser Stelle Neues entstehen kann.
Die Traditionelle Europäische Medizin lehrt uns, dass alle Elemente zum Leben, zu uns gehören. Alle tragen wir Feuer, Luft, Wasser und Erde in uns. Alle kennen wir Momente der Energie, der Leichtigkeit, der Ruhe und der Stille. Und obwohl also der Kalender und unser Feed uns erzählen, jetzt gehe es wieder los, sage ich: nein. Jetzt bleibe ich bewusst stehen. Blicke mich achtsam um. Spüre darüber nach.
Und entscheide: was lasse ich gehen. Was lasse ich los. Und damit schaffe ich Platz und Raum für ein entspannteres, neues Jahr. Sorge damit dafür, dass die Leichtigkeit des Frühlings und die Energie des Sommers ausreichend Raum und Platz haben mich mit sich zu tragen. Sorge dafür, dass ich geerdet und annehmend sein kann, ohne dabei zu starr zu werden.
Und so schenkt mir meine hartnäckige Erkältung meinen ersten Punkt auf meinen Not-To-Do-Liste:
Die Not-To-Do-Liste: Was du jetzt streichen darfst
1. Ich muss gar nichts
Aktuell kann ich nämlich einfach auch gar nichts tun. Ich kann weder aufräumen, noch neue Projekte starten, noch Freund:innen treffen. Und ich weiß: das ist okay. Das ist alles nächste Woche auch noch da. Im Großen und Ganzen bin ich nicht so wichtig. Meine Kursteilnehmer:innen finden eigene Bewegungsmomente. Meine Klient:innen nutzen andere Tools zur Entspannung. Meine Wäsche wird auch nächste Woche noch im Korb liegen. Das haben mich Zeiten mit schwerer Depression definitiv gelehrt: auch wenn ich wochenlang verschwinde. Die Welt ist auch danach noch da. Und hat sich noch mal so sehr verändert. Kontakte ja, die können sich verändern. Karrieretechnisch ist das wohl auch nicht der ideale Schritt. Aber die wirklich wichtigen Menschen und Dinge? Alles noch da.
2. Medien aussortieren
Es ist bereits angeklungen: Werbung, Medien, Social Media – sie alle wollen uns gerade zur Aktivität bringen. Und vielleicht ist gerade das der Moment ein wenig Raum zu schaffen. Alle Newsletter, die ungelesen im Postfach bleiben, alle Profile, die dafür sorgen, dass ich mich schlecht fühle, alle Bücher, die ich auch nach Jahren nicht gelesen habe: weg damit. Der Vorteil der Vielfältigkeit unserer Medienlandschaft ist nicht nur die Tiefe und Breite, in der wir uns informieren können, sondern auch die Möglichkeit, sie selbst zu kuratieren. Ich entscheide selbst, von wem ich beeinflusst werden möchte. (Zumindest soweit das in meinem Einflussbereich liegt.)
3. Einfach mal bequem machen
Fangen wir beim Kleiderschrank an: Der BH der Druckstellen macht, die Hose, die kneift, das T-Shirt, das ich immer wieder nach unten ziehen muss. Raus damit. Meine Kleidung soll mich kleiden und ich muss mich nicht an ihr ausrichten. Ebensowenig wie die Möbel, die Decken, das Licht in meinem Bad. Dinge aus Materialien, die ich unangenehm finde, nutze ich nicht. Warum habe ich sie dann noch?
4. Körperspannung lösen
Übe dich darin deinen Körper loszulassen. Atme bewusst tief aus und lass dabei ein Seufzen zu. Löse die Anspannung in deinen Händen, deinem Kiefer, deinem Po. Schmeiße dich auf dein Bett und lass jeden Zentimeter deines Körpers los.

5. Nichtstun üben
Aufstehen und erstmal sein. Genießen, was schon ist und nicht konstant optimieren. Im Zuhause leben und es nicht konstant managen.
6. Prioritäten setzen
Schau deine To-Do-Liste durch. Durchforste deinen Terminkalender. Kontrolliere deine Tagesroutinen. Was davon fühlt sich aktuell wirklich noch gut an? Was ist absolut nötig? Vielleicht darf auch hier einiges gehen. Es hat zu anderen Zeiten vielleicht einen guten Zweck erfüllt, aber unser Leben ändert sich. Was ist heute wirklich ein MUSS für dein Überleben? Und was macht dich heute noch wirklich glücklich? Alles andere? Offen zum Aussortieren…
7. Weg mit dem Zeug
Gib deinen Sachen ein Zuhause. Und dir damit das Zuhause, in dem du dich wohlfühlst. Suche dir zwei leere Kisten: auf die eine schreibe “Spenden”, auf die andere “Verkaufen”. Und immer, wenn du etwas siehst oder berührst, das dir keinen Nutzen und keine Freude spendet, lass es gehen. Entweder direkt in den Müll oder in die vorbereiteten Behälter. Und von Zeit zu Zeit stell dir einen 10Minuten Timer und nimm dir einen bestimmten Bereich, eine Schublade, einen Raum vor und lass gehen, was dir dort nicht mehr dient.
8. Verabschiede dich
Es gibt jedoch nicht nur Dinge, die unser Leben schwerer und aufwändiger machen. Es gibt auch Orte. Gewohnheiten. Menschen. Wo, mit wem, bei was fühlst du dich schwer? Unwohl? Was lässt dich angespannter zurück als zuvor? Und wie kannst du dir hier deine Leichtigkeit zurückholen? Wir können nicht alles Gewicht einfach abwerfen und in den schottischen Highlands leben (mein aktueller Traumort…).
Aber wir können versuchen, es uns leichter zu machen. Manchmal indem wir die Hoffnung darauf, dass eine bestimmte Person sich endlich ändert aufgeben. Manchmal indem wir die Zeiten an bestimmten Orten reduzieren. Manchmal, indem wir uns Hilfe suchen, um Verhaltensweisen, die uns in der Vergangenheit gute Dienste erwiesen haben, endlich gehen zu lassen. Verabschiede, was dir heute nicht mehr entspricht.
9. Fühl mal drauf los
Gönne dir 10 Minuten mit möglichst wenig Reizen von Außen. Und dann spüre hinein, welche Emotionen waren in den letzten Monaten besonders dominant. War da Stress? Angst? Freude? Und haben alle Farben und Formen dieser Gefühle ihren Raum gefunden? Und dann überlege dir, wie du sie zulassen kannst. Welchen Raum brauchst du, um Loszulassen. Auch emotional. Schrei in dein Kissen, tanz durch die Küche, gönn dir eine Achtsamkeitsübung.
10. Wunderbar Unperfekt
Hast du jetzt eine lange Liste von noch mehr Dingen, die du umsetzen möchtest? Oder du hast festgestellt, dass du einfach schon so viel aussortiert hast, dass da gar nichts Unnötiges mehr über ist? Dann probiere doch einfach mal nicht so perfekt zu sein. Und bei den meisten Aufgaben muss ich auch gar keine 100% geben. Und sie sind trotzdem okay. Es muss keine Sahnetorte sein, der Rührkuchen oder der aus der Bäckerei tun es auch. Die ganze Wohnung zu putzen ist gerade eigentlich gar nicht drin?
Ein 10 minütiger Aufräum-Quicki und ein grobes Durchsaugen sorgen direkt für ein freies Gefühl. Spür mal drüber nach, wo du deine eigenen Ansprüche zurückschrauben kannst, ohne dich selbst zu verlieren. Ein bisschen weniger genau, ein bisschen weniger Umfang, ein bisschen später, ein bisschen weniger Energie in eine einzelne Aufgabe. Und dann bleibt mehr Zeit und Power für die Dinge, die dir wirklich wichtig sind. Und ganz nebenbei: wenn ich mir erlaube etwas mit halbem Arsch zu machen oder auch mal Fehler zu machen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass ich überhaupt loslege.
11. Ein Me-Day jeden Monat einplanen
Ein einziger Tag im Monat, der ganz allein dir gehört. Was auch immer du mit ihm anstellen möchtest. Einfach nur ein Tag komplett faul sein – lesen, deine Lieblingsserien zum 100sten Mal ansehen, unendlich lang schlafen. Einen Tag lang Menschen treffen, die dir Freude bringen oder mit denjenigen telefonieren, die du schon so lange nicht mehr gehört hast. Allein spazieren oder ins Kino gehen.
Wie sieht ein perfektes Date mit dir selbst aus? Vielleicht auch einen Tag lang einfach keinen Haushalt erledigen. Nicht kochen, nichts waschen, nichts wegräumen. Wie sieht dein perfekter Tag in diesem Monat aus? Trag ihn in deinen Kalender ein, organisiere alles, was dafür nötig ist. Und der Aufwand wird sich lohnen: du bist ausgeruhter, fröhlicher und damit auch wieder mehr da für alle anderen und deinen gewohnten Alltag.

12. Kabelsalat
Welche Kabel benutzt du einfach nie? Welche hast du fünffach? Erspar dir den Kabelsalat in Zukunft: sortiere diejenigen, die du ohnehin nicht benutzt, deren Zweck du nicht mehr kennst oder die nicht mehr funktionieren aus.
13. 30 Minuten Regel
Nutze 30 Minuten nach und 30 Minuten vor dem Aufstehen keine Medien, va. kein Handy. Ich packe dafür mein Gerät gern in eine schöne Box. Und in dieser Box liegt mein Dankbarkeitstagebuch bereit. Tausche Handy gegen Gedankensalat. Und ja, das bedeutet, dass ein altmodischer Wecker angesagt ist.
14. Kaputtes aussortieren
Kaputtes Geschirr, die Schachtel mit allem, was du mal reparieren wolltest, bis heute aber noch nicht getan hast. Was nicht mehr funktioniert, kommt weg. Worüber du dich jedes mal ärgerst, wenn du es in die Hände bekommst, kann gehen.
15. Nicht mehr zutreffende Label wegradieren
Und zwar für dich selbst. Was trifft nicht mehr auf dich zu? Oder was erzählt dir die negative Stimme in dir selbst, du weißt aber, dass es im Grunde nicht zutrifft? Und wenn du dir diesen Punkt vornimmst, dann wähle am Besten einen Tag, an dem du dich gut fühlst. Wenn du einen Zyklus hast, vielleicht um deinen Eisprung herum.
Wie bist du wirklich? Und was sagt die fiese Stimme, nur um dich klein zu halten? Bist du tatsächlich faul? Oder achtest du einfach auf deine Ressourcen? Willst du dir weiterhin erzählen, dass du dick bist oder deine Nase zu krumm? Ändert das etwas positiv in deinem Leben? Wir sind wie wir sind. Wie würdest du diese Eigenschaften bei deinen Lieblingsmenschen bezeichnen?

16. Pläne
Sowohl Pläne und Ziele, die nicht mehr zu deinem Leben passen, als auch haptische Planer: du hast noch nie mit einem Papierkalender gearbeitet? Dann wird das auch dieses Jahr nicht passieren. Und solltet du an unterschiedlichen Orten Planer und Kalender und To-Listen verteilt haben: überdenke deine Organisation. Welche nutzt du tatsächlich? Was ist für dich am bequemsten und passt am besten zu deinem Alltag?
Und was steht auf diesen Listen? Sind die Inhalte für deine aktuellen Ziele und Vorlieben noch relevant? Ist Stricken einfach nicht dein Ding? Hat dir Joggen noch nie Spaß gemacht? Vielleicht darf dann der angefangene Schal und der Plan für den Marathonlauf ebenso gehen.
17. Alte Schlüssel, deren Zweck du nicht kennst.
Und genauso wie Aufgaben, die zu Zielen gehören, die du gar nicht mehr verfolgst: warum behältst du diese Schlüssel, die du keinen Schlössern zuordnen kannst?
Mentale Freiheit: Erwartungen und Perfektionismus loslassen
18. Ablenkung
Benachrichtigungen, die du auf dem Handy eingestellt hast, die aber nicht nötig sind. Benachrichtigungen an anderen Geräten, die nicht zwingend nötig sind und dir mehr Zeit rauben, als sie dir schenken. Der Alarm, auf den du ohnehin nicht hörst. Die Geburtstagserinnerung an Menschen, mit denen du keinen Kontakt mehr hast. Die Newsletter, die du nie liest. Entledige dich von Ablenkungen, die dir nicht mehr nützlich sind.
19. Kleinste Schritte
Loslassen möchte ich auch die “Alles oder Nichts”-Mentalität. Auch kleinste Schritte bringen mich näher an mein Ziel, als: ab morgen geht es richtig los. Oder: jetzt mache ich es ganz oder gar nicht. Und: es macht auch noch wahrscheinlicher, dass ich überhaupt loslege. Und dranbleiben. Denn kleine Erfolgserlebnisse, die sich immer wieder einstellen unterstützen mich mehr als, als der eine Meilenstein, den ich nach einem Jahr erreiche.
20. Vokabular anpassen
Seit Jahren versuche ich so einiges aus meinem Wortschatz gehen zu lassen: Müssen. Sollen. Nie. Immer. Sie alle unterstützen mich nur selten positiv.
21. Ratschläge anderer
Die perfekte Morgenroutine. Der ideale Tagesplan. Der beste Ort für Produktivität. Für manche mögen diese Empfehlungen funktionieren. Tun sie es für dich auch? Wenn mir Tipps anderer attraktiv erscheinen versuche ich zu hinterfragen, ob sie zu mir und meinem Leben passen. Wann bin ich am produktivsten? Zu welcher Tageszeit ist bei mir Arbeiten oder Ruhen angesagt? An welchen Orten bin ich am kreativsten? Alles, was nicht zu mir und meinen Bedürfnissen passt, darf aussortiert werden.
22. Erstell deine eigene Liste
Und vielleicht passt das alles für dich nicht. Vielleicht fühlt sich nichts davon stimmig an. Dann lass diese Inhalte von mir los und erstell dir einfach deine eigene Liste. Was erschwert dir unnötig den Leben? Pro-Tipp: sammle alles, was dich an so einem richtig schlechten Tag stört. Bei mir klappt das am Besten kurz vor oder während meiner Periode. Alles, was mir dann auf den Keks geht überdramatisiere ich in dem Moment enorm. Und komme im Alltag dann eigentlich wieder gut damit klar. Nichtsdestotrotz: es sind häufig Dinge, Aufgaben und Zustände, die ich loslassen oder zumindest leichter machen könnte. So dass ich an allen Tagen meines Zyklus weniger Reibung und mehr Leichtigkeit verspüren kann.
Anmerkung:
Manche dieser Tipps sind nicht sofort umsetzbar. Manche brauchen Zeit. Einige erfordern Geld. Aber allein die Feststellung, wo es in deinem Leben Reibung gibt, die dich immer wieder stört oder zurückhält und das Leben schwerer macht, kann Erleichterung bringen. Wenn ich sehe, was ich tagtäglich aus-halte, wird mir bewusst, warum mein Leben manchmal so anstregend ist.
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